Ein Großereignis wirft seine Schatten voraus

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Diesen September jährt sich die Straßenkerb zum 30. Mal und auch dieses Jahr wird es wieder Neuerungen geben. Die Zeit steht nicht still und verlangt Veränderungen und Anpassungen. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben, denn wie überall gilt auch für die Kerb, dass man mit der Zeit gehen muss. Philipp Schäfer, der dieses Jahr seinen 90. Geburtstag feierte erinnert sich, dass die Bischofsheimer Kerb nicht von Beginn an eine Straßenkerb war. Bis zum zweiten Weltkrieg feierte man hier Saalkerb. In 5 großen Sälen wurde gefeiert, getanzt und gelacht bis in die frühen Morgenstunden – zumindest daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Saalbau „Schad“ in der Bahnhofsstraße am Wasserturm, welcher dem Krieg zum Opfer fiel, und der Saalbau „Trümper“ im heutigen Club „Unique“ stellten keine eigene Kerweborschgruppe. Doch der Saalbau „Baier“ über der heutigen Stadt Mainz – das „Rieweloch“- , der Saalbau  “Schade Peter“,  welcher in den Räumen der heutigen Gemeinde Christkönig beheimatet war, sowie der Saalbau „Wiesenäcker“ über der heutigen Krone stellten jeweils eigene Kerweborsch, die auf ihren Rollen durchs Ort zogen. Somit gab es auch drei Merkel und drei verschiedene Kerwesprüche. Der aktuelle Jahrgang entsprach immer dem Jahrgang der gemustert und eingezogen wurde, so Philipp Schäfer. Auf dem heutigen Rathausparkplatz und von dort aus entlang der Schultraße bis zur Kreuzung Frankfurter Straße reihten sich einige Buden, Fahrgeschäfte und Stände auf. Mit Beginn des Krieges änderte sich für die Bischofsheimer alles. Dass es in diesen Jahren keine Kerb gab, war nur selbstverständlich, und nach Kriegsende wurde das Konzept der Saalbaukerb wie es vor dem Krieg war nicht wieder aufgegriffen. Fortan gab es nur eine Kerweborschgruppe und zusätzlich zum Tanz in den verbliebenen Sälen, standen die wenigen Fahrgeschäfte und Stände auf dem alten Sportplatz im Attich. Heute steht in etwa dort der rote Würfel aus Stahlträgern vor der Georg-Mangold-Schule. Philipp Schäfer erinnert sich, dass das Ganze jedoch keinen rechten Zuspruch erfuhr. Später wurde die Kerb wieder verlegt, diesmal auf den Friedrich-Ebert-Platz und somit etwas mehr Richtung altem Ortskern. Der Tanz in den Sälen wurde weniger, vielmehr entwickelte sich eine Kneipenkerb. Die Wirte boten neben Speis und Trank häufig auch Musik und natürlich den traditionellen Frühschoppen an. Weiterhin bot der Kerbeverein Bischofsheim seit etwa 1980 eine Zeltkerb auf dem Parkplatz der Weisenauer Gasse an. Die Geschäfte auf dem Kerweplatz liefen hingegen nicht so gut und so wurde die Kerb wieder verlegt. Erst 1987, mit der Straßenkerb mitten im Ort, fand die Kerb ihr heutiges Zuhause und band das Zelt des Kerbevereins ins Geschehen mit ein. Sicherlich verlangt dieser Standort den Gemeindemitarbeitern, Vereinen und Schaustellern viel organisatorische Arbeit ab. Immerhin muss der gesamte Durchgangsverkehr für diese Zeit umgeleitet werden und, bedingt durch die Terrorangst und die exponierte Lage der Kerb, sogar ein umfangreiches Sicherheitskonzept ausgearbeitet werden. Doch vielleicht macht genau der Standort mitten im Ort den Charme aus. Für Bischemer und Besucher gilt: Man kommt einfach nicht um die Kerb herum!

Natürlich ergeben sich auch Probleme und Streitpunkte, die es zu bewältigen gilt. Die vor einigen Jahren eingeführte Sperrstunde sollte mehr Ruhe für Anwohner schaffen, doch tatsächlich schürte sie Frust bei Vereinen, denen lukrative Stunden beim Verkauf fehlten, und Besuchern, die kurz nach Beginn der Sperrstunde von der Polizei des Platzes verwiesen wurden. Man wird sehen, ob der diesjährige Kompromiss, das Bühnenprogramm wie gehabt um 00.00 Uhr zu beenden und den Vereinen den Ausschank bis 2 Uhr zu gewähren, beide Seiten zufrieden stellen kann.

Dieses Jahr konnten die Kerweborsch und Altkerweborsch mit der Gemeinde vereinbaren, dass zum Baumstellen die Darmstädter Straße für den Durchgangsverkehr an der Volksbank gesperrt ist. Das ermöglicht den Schaulustigen das sichere Zusehen, wenn der Baum gestellt wird und den Kerweborsch wird die Arbeit erleichtert, wenn sie den Verkehr außer Acht lassen können. Zudem wird eine Möglichkeit geschaffen, durch von den Kerweborsch und Altkerweborsch bereitgestellten Biertische und Bewirtung durch die angrenzenden Lokale, auch nach dem Baumstellen etwas länger mit den Zuschauern an Ort und Stelle zu verweilen. Kehrte man in den Jahren zuvor an diesem Tag und Freitags vor Kerb immer in Uli’s Pub ein, so ist das nun nach der Aufgabe des Pubs im letzten Dezember leider nicht mehr möglich. Mit dem Platz unterm Kerwebaum ist man sich aber sicher, eine schöne Alternative gefunden zu haben, gemeinsam noch ein bisschen beisammen zu sein und die erste Kerweluft zu schnuppern.

Ein weiteres Angebot sich gebührend für Kerb aufzuwärmen, bietet der Altkerweborschverein dann am „Freitag vor Kerb“. Während die Kerweborsch an diesem Tag alljährlich in den Wald fahren um Birken für den Zugweg zu schlagen und sich später bei Uli im Pub auf die Kerweeröffnung am nächsten Tag einstimmten, wird dieses Jahr der Altkerweborschverein bereits im Rosengarten mit dem Aufbau beschäftigt sein. Ab 18 Uhr wird es neben Essen, Trinken und Live-Musik mit Sicherheit auch das ein oder andere Ständchen der Kerweborsch geben. Der Altkerweborschverein freut sich über zahlreiche Besucher! Denn das Ziel ist ganz klar nicht Gewinn zu machen, sondern den Bischofsheimern ein attraktives Angebot zu bieten, sich zu treffen und gemeinsam eine gute Zeit zu haben, sagt Alexa Anstatt. „Wenn wir null auf null rausgehen und zusammen Spaß hatten, haben wir von unserer Seite aus Gewinn gemacht“, betont die 1. Vorsitzende des Altkerweborschvereins. Das Angebot von WWW (Weck, Worscht und Woi) während des Umzugs am Kerwesonntag wolle man übrigens beibehalten. Die Ressonanz sei letztes Jahr gut gewesen, mehr Menschen hätten sich den Umzug angeschaut und auch die Straßen seien schön geschmückt gewesen. Leider hat das Wetter nicht ganz mitgespielt, doch man habe mit Petrus ein ernstes Wörtchen geredet und für dieses Jahr besseres Wetter vereinbart. Bleibt zu hoffen, dass bei allen Neuerungen auch so manches Relikt, wie beispielsweise der Kerweumzug, weiterhin bestehen bleibt.